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Heimatverein Köpenick e.V. (Hrsg.)

 

Arno Jaster: Geschichte Cöpenicks. Bilder aus dem Schicksal einer Märkischen Stadt.

Bearb. nach der Auflage von 1926 im Scheumann Verlag, Berlin-Cöpenick

[= Historische Schriften über Treptow-Köpenick, Band 1], 2011, 456 S., ISBN 978-3-89626-999-7, 39,80 EUR

 

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Klappentext

Mit der Neuausgabe des 1926 erschienenen Hauptwerkes des Köpenicker Heimathistorikers Arno Jaster (1895–1947) wird die erste geschlossene Darstellung der Geschichte Köpenicks der Vergessenheit entrissen. Sie setzte bei ihrem Erscheinen auf dem Buchmarkt mit der Nachzeichnung des Entwicklungsweges Köpenicks vom Mittelalter bis 1920 einen intellektuellen Schlusspunkt unter die Verarbeitung des seinerzeit nicht unumstrittenen Aufgehens der über Jahrhunderte selbständigen Stadtgemeinde in die Einheitsgemeinde Groß-Berlin. Die Herausgeber der Neuauflage haben den ursprünglichen Text gestrafft und von jenen Teilen entschlackt, die sich im Geist der 1920er Jahre in kulturphilosophische Betrachtungen verloren. Im Ergebnis liegt ein detaillierter lokalgeschichtlicher Abriss über mehr als sieben Jahrhunderte wieder vor.

 

Inhaltsverzeichnis

Vorwort (Oliver Igel) 11

Vorwort zur Neuherausgabe von Arno Jaster: Geschichte Cöpenicks (Kurt Wernicke) 13

1. Abschnitt.
Die Wendenzeit 19

2. Abschnitt.
Der Kampf um die Macht (1150–1407) 28

3. Abschnitt.
Dietrich von Quitzow 52

4. Abschnitt.
Wetterleuchten (1414–1500) 67

5. Abschnitt.
Reformation 82

6. Abschnitt.
Die neuen Kräfte 96

7. Abschnitt.
Der große Krieg (1618–1648) 112

8. Abschnitt.
Nach der Zerstörung (bis 1700) 123

9. Abschnitt.
Per aspera ad astra (1700–1756) 137
 

10. Abschnitt.
Aus einem alten Kirchenbuch (1642–1684) 156

12. Abschnitt.
Rokoko (1749–1782) 166

13. Abschnitt.
Der Oesterreicher- und Russenschreck (1757 und 1760) 173

14. Abschnitt.
Aus den Tagen der Altväter (1764–1805) 188

15. Abschnitt.
Von einem untergegangenen Erwerbszweig 213

16. Abschnitt.
Ein Beitrag zur Entwicklung unseres Cöpenicker
Schulwesens (1750–1850) 220

17. Abschnitt.
Die Franzosenzeit 241

20. Abschnitt.
Die Grossväter erzählen (1815–1870) 263

21. Abschnitt.
Die Räume wachsen (1870–1900) 282

22. Abschnitt.
Auf dem Kietz 327

23. Abschnitt.
„Die Zentrale des Ostens“ (1901–1914) 351


24. Abschnitt.
Wilhelm Voigt, der „Hauptmann von Cöpenick“ 375

26. Abschnitt.
Im Weltkrieg (1914–1918) 394

27. Abschnitt.
Der Weg nach Berlin 409

Die Bürgermeister der Stadt Cöpenick 437

Kurze Zeit-Tafel zur Geschichte Cöpenicks 442

Bibliografie Arno Jaster (Heinrich Langmaack) 445


 

 

Zur Einführung


Der Heimatverein Köpenick legt im Rahmen seiner Schriftenreihe hier eine Neuausgabe des Hauptwerkes des Köpenicker Heimathistorikers Arno Jaster (1895–1947) vor. Jaster war der Erste, der in einer geschlossenen Darstellung dem hiesigen Leserpublikum einen Überblick über die Schicksale Köpenicks von dessen Auftauchen in der Geschichte bis zum Aufgehen des selbständigen Gemeinwesens in die größere administrative Einheit Groß-Berlin lieferte. Als sein Werk „Geschichte Cöpenicks. Bilder aus dem Schicksal einer Märkischen Stadt“ 1926 im Zeitungs-Verlag Scheumann erschien, waren dem bereits einige heimatgeschichtliche Arbeiten in dem Lokalblatt „Cöpenicker Dampfboot“ vorausgegangen – namentlich war die „Geschichte Cöpenicks“ in Abschnitten in der seit Ende Januar 1926 unter dem Titel „Unsere Heimat“ wöchentlich als Beilage zu der Sonnabend-Ausgabe des „Dampfboots“ erscheinenden lokalhistorischen Umschau für das Müggelland vorgestellt worden. Daneben hatte er sich seit 1924 einen Namen als Inspirator, Förderer und Sammler für ein Heimatkunde-Schulmuseum gemacht (das 1929 eröffnet und der Ausgangspunkt für unser heutiges Köpenicker Heimatmuseum wurde). Das unerwartet große Echo auf die Artikelfolge bewog den Verleger des „Dampfbootes“, Otto Scheumann, im Herbst d. J. die vorliegenden Texte zu einem Buch zusammenzufassen – und das in naheliegender Weise verwandte, zum Rotaprintdruck geeignete Zeitungspapier sorgte für eine ihm innewohnende Vergänglichkeit der Buchausgabe, sodass trotz der damaligen hohen Auflage Jasters „Geschichte“ heute ziemlich selten geworden ist.
Die insgesamt 30 Artikel aus „Unsere Heimat“, aus denen in der Buchfassung eine Unterteilung in 27 Abschnitte wurde, boten der Wiedergabe der Ergebnisse von Jasters seit 1919 betriebenen heimatgeschichtlichen Forschungen jedoch nur begrenzten Raum, und so kam er mit dem Scheumann-Verlag überein, in der Beilage „Unsere Heimat“ weiterhin Artikel zu publizieren, die die durchgehende Darstellung von 1926 mit immer neuen Details ergänzten. Die erschlossen sich Jaster im wesentlichen aus fleißigem Studieren in den Akten des Köpenicker Ratsarchivs, den Unterlagen der Köpenicker Innungen, den Archiven der lokalen Kirchgemeinden, alten Zeitungsjahrgängen und Geschichtsliteratur. 1927 bis 1933 war Jaster in fast jeder Ausgabe von „Unsere Heimat“ präsent – in der Mehrzahl zu Köpenicker Themen oder solchen, die Nachbarorte betrafen. Danach ging die Intensität der Jasterschen Publikationstätigkeit zurück – was mit seinen neuen, höheren Aufgaben zusammenhing, die ihm das von ihm ersehnte NS-Regime zuwies.
Denn Jasters Lebensweg, der ihn vom am 28. April 1895 geborenen Sohn eines preußischen Eisenbahnbeamten über die mittlere Reife mit folgender Absolvierung eines Lehrerseminars und Militärdienst Anfang 1918 als Volksschullehrer in den Köpenicker Schuldienst führte, war Schritt für Schritt vom zutiefst verinnerlichten Preußentum über die freudige Akzeptanz der Lehre von der mystischen Bedeutung eines imaginären Volkstums bis zur Anbetung der gottgegebenen kulturell-moralischen Überlegenheit des „völkischen“ Deutschtums begleitet, führte ihn über die Begeisterung für althergebrachtes Brauchtum zu einer tief verwurzelten Antipathie gegen die zivilisatorischen Begleitumstände der Industriegesellschaft und ließ ihn – der, wie viele Nachbeter der Hohenzollern-Legende, von der Flucht Kaiser Wilhelms II. vor der Novemberrevolution in die Niederlande bis ins Mark getroffen war – sein und des deutschen Volkes Heil schließlich in der Herbeisehnung einer charismatischen Führerpersönlichkeit suchen. Dieser Weg führte Jaster folgerichtig zu der nicht nur auf Wiedererlangung von Deutschlands 1918 verlorenem Gewicht in Europa und der Welt zielenden, sondern auch von Rassenwahn und Blut-und-Boden-Ideologie durchwaberten NSDAP, deren Mitglied er schon am 1. März 1930 wurde. Ab 1933 winkte ihm dann die zu erwartende Belohnung: der Volksschullehrer (zuletzt 1930/32 in der 1. Hilfsschule am Alten Markt) wurde Schulrat und übernahm die Schulaufsicht zunächst in Treptow, im folgenden Jahr in Köpenick, wechselte 1938 in den Wedding, von wo er 1942 mit einiger Sicherheit als „alter Kämpfer“ der NSDAP zur zivilen Dienstleistung im besetzten Ausland abkommandiert wurde – gegen Kriegsende aber wieder nach Köpenick zurückkehrte. Seiner neuen Stellung im NS-Schulwesen zollte er 1937 Tribut mit der Veröffentlichung seines Buches „Gestalten des Geschichtsunterrichts“, (Frankfurt a. M. 1937), das als Band 3 der Reihe „Der nationalpolitische Unterricht“ firmierte. Im selben Jahr war er in Köpenick zum (ehrenamtlichen) Bezirksarchivpfleger ernannt worden – womit alle nichtstaatlichen Archivalien in seinen Verantwortungsbereich fielen.
In die öffentlichen Pogrome, die die NS-Machthaber durch ihre Prätorianergarden in Köpenick im Juni 1933 gegen Antifaschisten und im November 1938 gegen jüdische Mitbürger veranstalteten, war Jaster mit ziemlicher Sicherheit nicht verwickelt – zumal er weder der SA noch der SS angehörte. Dennoch gehörte er durch seine Stellung und seine Aktivitäten zu jenem Kreis von Nazi-Aktivisten, die nach den alliierten Übereinkommen zur Sicherheit der Besatzungsmächte zu internieren waren, und so wurde Jaster am 28. Mai1945 in seiner Wohnung Färberstr. 14 – wo er seit seiner Eheschließung 1920 wohnte – vom NKWD verhaftet und gelangte über Zwischenstationen in dessen „Spezial-Lager Nr. 2“, das sinnigerweise im ehemaligen KZ Buchenwald eingerichtet worden war. In dem eiskalten Winter 1946/47, der auch außerhalb von Lagern viele Opfer forderte, erlag er dort am 8. Februar 1947 Hunger und Kälte in der konkreten Form einer akuten Lungenentzündung. Es entsprach dem traditionellen Psychoterror des NKWD bzw. dessen Nachfolgers MWD, dass man den Angehörigen keine Nachricht über das Schicksal der Verhafteten zukommen ließ: noch 1959 beklagt sich Jasters Ehefrau in einer Eingabe an eine Dienststelle des Berliner Senats, dass sie seit 1945 nichts über den Verbleib ihres Gatten wisse...
Die nachfolgende Neuausgabe von Jasters heimatgeschichtlichem Hauptwerk, die „Geschichte Cöpenicks“, wird in einer gekürzten Fassung vorgelegt. Der Autor hatte nach dem Erscheinen der „Geschichte“ in zahlreichen Ausgaben von „Unsere Heimat“ über beinahe ein Jahrzehnt immer wieder einzelne Aspekte vertieft, und die jetzige Neuausgabe soll auch dazu dienen, Anregungen für vertiefende Forschung zu vermitteln. Die z. T. penetrante Verwurzelung der Texte in das an Rassenwahn streifende stetige Raunen des Volkstums und in den verschwommenen, ja absichtlich mystifizierten Heimat-Begriff (prägnant formuliert in der vielmals wiederholten Eingangsdevise „Heimat ist Tat!“) wird den heutigen Lesern von den Herausgebern trotz etlicher Kürzungen – die kulturhistorische Arabesken und mit der städtischren Geschichte nur entfernt verbundene Weitschweifigkeiten betreffen – absichtlich nicht vorenthalten: sie bekommen so im Abstand von 90 Jahren einen Einblick in die Geisteswelt des intellektuellen deutschen Bürgertums, das den durch die eklatante militärische Niederlage im Herbst 1918 bewirkten tiefen Fall aus den Illusionen eines „Siegfriedens“ rational nicht zu verarbeiten vermochte und nun Schuldige dafür suchte, dass aus dem Konzept „Und es mag am deutschen Wesen/ Einmal noch die Welt genesen“ nichts geworden war. Die Schuld lag für Jaster nicht wie bei vielen Intellektuellen seiner Herkunft und seiner Sozialisation bei dem frech erfundenen „Dolchstoß“, den die Revolution in den Rücken des angeblich unbesiegten Feldheeres geführt habe, sondern in der schleichenden Abkehr vom rational nicht greifbaren urtümlichen Volkstum. Oder – noch besser! – der „Volkhaftigkeit“ der Vorfahren. Den Heutigen kann, insbesondere mit dem Wissen um die Gesamtheit des 20. Jahrhunderts im Rücken, das mit den Händen zu greifende Abgleiten eines von Heimatliebe motivierten Geschichtsinteressierten in blanken Irrationalismus und seine sich daraus ergebende Anfälligkeit für Rattenfänger durchaus zur Warnung dienen. Andererseits ist zu bedenken, dass offenbar das Eindringen in die verästelte Thematik der Volkskunde das auslösende Moment für Jaster
war, sich mit der Geschichte des ihm zur Heimat gewordenen Köpenick zu beschäftigen: seinen Texten ist die Affinität des Autors zur  K u l t u r geschichte leicht anzumerken – was auch der Untertitel seiner „Geschichte“ unterstreicht: „Bilder aus dem Schicksal einer Märkischen Stadt“! Bezeichnend für diese recht ausgeprägte Orientierung des Autors ist, dass in seinem Gesamtüberblick der Taufschein für Köpenick – die Schenkungsurkunde des Markgrafen Konrad II. der Lausitz für das Kloster Buch vom 10. Februar 1209, in dem Köpenick als Ort der Ausstellung erstmals schriftlich erwähnt wird – gar nicht auftaucht. An diesem Fakt ist auch abzulesen, dass Jaster bei aller Begeisterung für die kulturgeschichtlichen Aspekte der Vergangenheit das Handwerkszeug des studierten Historikers nicht souverän beherrschte: er kannte zwar die von ihm eifrig durch ausgiebige Zitate ausgebeutete Urkundensammlung „Codex diplomaticus brandenburgensis“, deren beide Registerbände von 1867 und 1869 ihn mühelos zu allen Köpenick betreffenden brandenburgischen Urkunden hinführten – er fand aber keinen Zugang zu der entsprechenden sächsischen Reihe „Codex diplomaticus Saxoniae regiae“, in deren 1. Hauptreihe, Abt. A, Bd. III die Urkunde vom 10. Februar 1209 als Nr. 131 abgedruckt ist. So präsentierte er dann die im „Codex diplomaticus brandenburgensis“ bei der Sammlung der Köpenicker Urkunden unter Nr.1 rangierende markgräfliche Verleihung von Fürstenwalder und Köpenicker Schiffs- und Floßzoll an Berlin aus dem Jahre 1298 seinen Lesern auch prompt als Köpenicks älteste Urkunde!
Den Kürzungen der Herausgeber zum Opfer fielen durch die Bank Jasters heute zumeist nicht mehr verständlichen Lyrik-Zitate am Kopf der einzelnen Abschnitte; ebenso seine Angaben zu archivalischen und Literaturquellen zu den einzelnen Abschnitten bzw. Artikeln wie auch die umfängliche Aufstellung einer „Literaturliste“ am Schluss des Werkes: die Literatur ist durch die Bank wissenschaftlich überholt, die Archivalien sind – soweit sie überhaupt noch existieren – zumeist inzwischen an anderen Standorten. Literaturangaben aus heute kaum mehr verfügbaren Fest- und Jubiläumsschriften, auf die Jaster – teils wörtlich – Bezug nimmt, sind in den laufenden Text übernommen worden. Des Öfteren kommt es vor, dass bei Jaster der Schriftsteller vor dem wissenschaftlichen Rechercheur rangiert – wie z. B. bei der Schilderung der Literatenidylle im Schlösschen Bellevue, die mit bekannten Daten in den Biografien von Paul Heyse und Theodor Fontane im Widerspruch steht. In solchen Fällen sind die historischen Fakten ohne viel Aufhebens richtiggestellt worden. Wo am originalen Text Kürzungen, ob kleineren oder auch bedeutenderen Ausmaßes, vorgenommen wurden, wird auf Auslassungen durch „...“ hingewiesen. Erläuternde Kommentare, die Jaster in zitierte Quellen einstreute, sind kursiv gesetzt; bei in Jasterschen Text eingestreuten Kommentaren der Herausgeber steht zum kursiven Text noch der Zusatz „D. Hrsgb.“. Druckfehler, Zahlendreher und vom Autor Jaster oder dessen Quellen zu verantwortende, auf Oberflächlichkeit oder Fehlinterpretationen bzw. Lesefehler zurückzuführende Falschdatierungen und Namensverwechslungen wurden stillschweigend korrigiert.
Dass bei Jaster grundsätzlich „Cöpenick“ (also mit C!) geschrieben steht, muss dem heutigen Leser vielleicht doch schon erklärt werden: viele Jahrhunderte hindurch wurde die Stadt amtlich in dieser Form geschrieben, und auch nach der Bildung Groß-Berlins wurde der um die einst selbständige Stadt herum gebildete gleichnamige Verwaltungsbezirk traditionell mit C geschrieben – erst durch einen Verwaltungsakt des Berliner Magistrats wurde mit Wirkung vom 1. Januar 1931 die amtliche Schreibweise „Köpenick“ eingeführt. Als Jaster seine „Bilder aus dem Schicksal einer Märkischen Stadt“ verfasste und der Öffentlichkeit präsentierte, schrieb er also selbstverständlich von „Cöpenick“.

Kurt Wernicke

 

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